Wie viel Direct-Drive-Drehmoment wirklich noetig ist
Direct-Drive-Drehmoment im Vergleich: 5 bis 25 Nm von Fanatec, MOZA, Logitech und Simucube, was jede Stufe kostet und ab wann mehr Kraft nichts mehr bringt.

Acht bis zwoelf Newtonmeter decken fast jeden Fahrer und fast jedes Auto ab; darueber kauft man Reserve und Aufloesung, keine Rundenzeit. Die Zahl auf dem Karton nennt nur die Spitzenkraft. Was ankommt, entscheiden Encoder, Anstiegsrate und die Frage, ob das Rig stillsteht.
Was Spitzendrehmoment wirklich beschreibt
Das Spitzendrehmoment ist die groesste Kraft, die der Motor am Lenkkranz aufbringen kann, gemessen in Newtonmetern. Es ist eine Obergrenze, kein Arbeitswert. Eine Basis, die in der Software auf 100 Prozent steht, erreicht diese Grenze nur beim haertesten Kerb oder in dem Moment, in dem ein blockiertes Vorderrad wieder greift. Die uebrigen 99 Prozent einer Runde spielen sich zwischen 10 und 40 Prozent der Obergrenze ab. Genau deshalb koennen sich zwei Basen mit derselben Zahl auf dem Karton voellig verschieden anfuehlen.
Zwei andere Angaben beschreiben diesen Unterschied besser. Die Anstiegsrate sagt, wie schnell der Motor seine Kraft aendern kann: Simucube gibt fuer die 2 Sport 4,8 Newtonmeter je Millisekunde an, fuer die 2 Pro 8,0. Die Encoder-Aufloesung sagt, wie fein die Basis die eigene Position kennt, 21 Bit bei MOZA R9 und R12, 22 Bit bei der Simucube 2 Sport.
Eine hohe Obergrenze mit grobem Encoder fuehlt sich stark und unscharf an. Eine mittlere Obergrenze mit feinem Encoder liefert Information, und Information macht schnell, nicht Kraft. Wer eine Basis nach der groessten Zahl kauft, kauft die Eigenschaft, die im Fahren am wenigsten zaehlt.
Der Markt in Zahlen
Das aktuelle Feld reicht von 5 bis 25 Newtonmeter, und die Abstaende zwischen den Klassen sind kleiner, als das Marketing nahelegt. Die Fanatec CSL DD arbeitet mit 5 Nm und erreicht mit dem Boost Kit 180 acht Newtonmeter, laut Hersteller dauerhaft und ohne aktive Kuehlung, weil das gefraeste Aluminiumgehaeuse zugleich Kuehlkoerper ist. MOZA besetzt die Mitte mit 9, 12, 16 und 21 Nm, Logitech liegt bei 11 Nm, Simucube markiert mit 17 und 25 Nm bei 280 beziehungsweise 450 Watt das obere Ende.
Der Preis steigt nicht linear mit der Kraft. Die Simucube 2 Sport steht mit 1.006,14 Euro fuer 17 Nm in der Liste, die 2 Pro mit 1.346,62 Euro fuer 25 Nm. Das sind 34 Prozent mehr Geld fuer 47 Prozent mehr Drehmoment. Mitgekauft werden dabei das doppelte Netzteil und eine um zwei Drittel hoehere Anstiegsrate, und genau dieser Teil ist der spuerbare.
| Basis | Spitzendrehmoment | Bemerkenswerte Angabe |
|---|---|---|
| Fanatec CSL DD | 5 Nm, 8 Nm mit Boost Kit 180 | Passiv gekuehlt, Aluminiumgehaeuse als Kuehlkoerper |
| MOZA R9 V3 | 9 Nm | 21-Bit-Encoder |
| Logitech G PRO | 11 Nm | TRUEFORCE, OLED-Anzeige |
| MOZA R12 V2 | 12 Nm | 21-Bit-Encoder |
| MOZA R16 | 16 Nm | Rotorhuelse aus Karbon |
| Simucube 2 Sport | 17 Nm | 4,8 Nm/ms Anstiegsrate, 280 W, 22-Bit-Encoder |
| MOZA R21 | 21 Nm | Motorfamilie wie R16 |
| Simucube 2 Pro | 25 Nm | 8,0 Nm/ms Anstiegsrate, 450 W |
Ab wann mehr Kraft nichts mehr bringt
Drehmoment, das man nicht befestigen kann, ist verlorenes Drehmoment. Eine 20-Nm-Basis an einem Klapprig bewegt das Rig statt der Haende, und jeder Millimeter Verwindung ist Detail, das nie ankommt. Als Faustregel gilt: bis 8 Nm traegt ein steifer Wheel Stand, 8 bis 15 Nm verlangen einen Stahl- oder Aluprofilrahmen, ueber 15 Nm muss der Rahmen verschraubt sein und die Basis als tragendes Teil gerechnet werden.
Die zweite Grenze sind die eigenen Arme. Ein Zweistundenstint bei 20 Nm ist koerperliche Arbeit, und muede Arme sind ungenaue Arme. Profiteams fahren ihre Basen aus genau diesem Grund deutlich unterhalb der Obergrenze. Stellen Sie die Kraft im Spiel so ein, dass das staerkste Ereignis der Runde gerade den Vollausschlag erreicht, und lassen Sie sie dann eine Woche stehen, bevor Sie urteilen.
Auswahl nach Disziplin
Formelautos mit Servolenkung erzeugen leichte, schnelle, detailreiche Kraefte und belohnen einen feinen Encoder mehr als einen grossen Motor. GT3 und Tourenwagen liegen in der Mitte und sind der Grund, warum 8 bis 12 Nm die meistverkaufte Klasse ist. Rallye, Gelaende und schwere historische Autos ohne Servounterstuetzung sind die einzige Disziplin, in der 16 Nm aufwaerts ein echter Vorteil sind und nicht Geschmack, weil die realen Autos so hart zurueckarbeiten.
Quellen
Haeufige Fragen
Reichen 8 Nm fuer GT3-Autos?
Ja. GT3-Autos haben Servolenkung, die Kraefte am realen Lenkrad sind also mittelstark und schnell, nicht schwer. Acht Newtonmeter geben den gesamten Bereich ohne Clipping wieder, wenn die Verstaerkung im Spiel so steht, dass nur der haerteste Kerb den Vollausschlag erreicht.
Macht mehr Drehmoment schneller?
Nicht von allein. Das Drehmoment bestimmt, wie stark das staerkste Ereignis sein darf. Wie viel Information zwischen diesen Ereignissen ankommt, entscheiden Encoder und Anstiegsrate. Eine 25-Nm-Basis bei 40 Prozent Verstaerkung liefert dieselben Kraefte wie eine 10-Nm-Basis am Anschlag, nur mit mehr Reserve und weniger Clipping.
Welches Rig brauche ich ab 15 Nm?
Einen verschraubten Stahl- oder Aluprofilrahmen, in dem die Basis als tragendes Teil gerechnet wird. Bis etwa 8 Nm genuegt ein steifer Wheel Stand. Alles, was sich zusammenklappen laesst, bewegt sich unter einer starken Basis, und diese Bewegung fehlt an den Haenden.
Warum fuehlen sich zwei Basen mit gleicher Nm-Zahl verschieden an?
Weil das Spitzendrehmoment eine Obergrenze ist und keine Textur. Anstiegsrate, Encoder-Aufloesung, Drehmomentwelligkeit und die Filterung im Treiber machen die Textur. Simucube nennt 4,8 Nm je Millisekunde fuer die Sport und 8,0 fuer die Pro, und dieser Unterschied ist in der Praxis groesser als die acht Newtonmeter dazwischen.
Soll ich die staerkste Basis kaufen, die ich mir leisten kann?
Nur wenn Sie Rallye, Gelaende oder historische Autos ohne Servolenkung fahren. Fuer Rundstrecke ist das Geld in einer Loadcell-Bremse und einem steifen Rahmen besser angelegt. Beides veraendert Rundenzeiten verlaesslicher als die letzten Newtonmeter.

