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Cockpit & Rig

Rig-Steifigkeit messen statt schätzen

Rig-Verwindung lässt sich mit Lineal und Handy messen. Das Verfahren, die Zahlen und die Reihenfolge, in der man nachzieht.

Rig-Steifigkeit messen statt schätzen

Über Rig-Verwindung wird in Adjektiven geredet, und Adjektive lassen sich zwischen zwei Samstagen nicht vergleichen. Die Messung dauert zehn Minuten, braucht ein Lineal, einen Marker und ein Handy und macht aus der ganzen Diskussion eine Zahl in Millimetern, die man gegen null treiben kann.

Warum sich der Rahmen überhaupt bewegt

Eine Direct-Drive-Basis schiebt das Lenkrad nicht, sie verdreht den Mast, auf dem sie sitzt. Die Kraft am Kranz folgt aus Drehmoment und Radius: 17 Nm an einem 300 mm großen Lenkrad bedeuten einen Radius von 0,15 m und damit rund 113 Newton am Kranz, also etwa 11,5 Kilogramm Zug. Diese Last kommt oben an einem Mast an, der oft 400 mm hoch ist, der Rahmen sieht an der Verbindung von Mast und Basisträger also ein Biegemoment von rund 45 Newtonmetern.

Die Pedale sind schlimmer. Eine auf 60 kg Beinkraft kalibrierte Loadcell bringt bei jeder Kurve 588 Newton in die Pedalplatte, das Fünffache der Spitzenlast am Lenkrad. Deshalb kann sich ein Rahmen, der am Lenkrad steif wirkt, beim Bremsen trotzdem bewegen, und deshalb muss zweimal gemessen werden, einmal an jedem Ende des Rigs.

Die Messung, Schritt für Schritt

Kleben Sie ein Lineal auf den Boden oder an einen festen Gegenstand neben dem Lenkrad, nicht an das Rig selbst. Setzen Sie einen Marker auf den Lenkkranz bei drei Uhr. Ziehen Sie bei ausgeschalteter Basis mit beiden Händen so fest, wie Sie es zwei Sekunden halten können, und lesen Sie den Marker am Lineal ab. Wiederholen Sie das in die andere Richtung. Die Differenz beider Ablesungen ist die Gesamtverwindung am Kranz.

Für die Pedale kleben Sie das Lineal neben die Pedalplatte und filmen die Platte mit 240 Bildern je Sekunde, während Sie mit Ihrem normalen Maximum bremsen. Die Zeitlupe zeigt, wie sich die Platte bewegt, bevor die Loadcell überhaupt vollen Druck meldet, und die zurückgelegte Strecke ist die gesuchte Zahl. Was der Rahmen schluckt, erreicht den Sensor nie.

Werten Sie nüchtern aus. Unter 1 mm am Kranz ist ein steifes Rig, mehr ist nicht nötig. Zwischen 2 und 3 mm ist messbar und hörbar, aber nicht die Grenze Ihrer Rundenzeit. Über 5 mm filtert das Rig das Force Feedback, und keine Einstellung in der Software holt die Details zurück, die der Rahmen frisst.

Den Messwert lesen
Verwindung am KranzBedeutungMaßnahme
unter 1 mmSteifer Rahmennichts
2 bis 3 mmSpürbar, nicht begrenzendnachziehen, Mast prüfen
3 bis 5 mmForce Feedback wird gefiltertDiagonale ergänzen
über 5 mmDer Rahmen ist die GrenzeMastaufnahme neu bauen

Was zu beheben ist, in dieser Reihenfolge

Fangen Sie mit den Schrauben an, die Sie schon haben. Am Profilrig tragen die Eckwinkel die Verdrehung, und ein 32 Gramm schwerer Winkel, der von Hand angezogen wurde, ist nicht dasselbe wie einer, der ordentlich festgezogen ist. Einmal mit dem Innensechskant um den ganzen Rahmen herum bringt den ersten Millimeter meist gratis. Prüfen Sie zuerst die Schrauben des Lenkradmastes, dann die Pedalplatte, dann die Sitzschienen.

Der zweite Punkt ist die Geometrie. Ein Mast, der an einem einzelnen 120 mal 40 mm starken Aufrichter sitzt, verdreht sich mehr als derselbe Mast, der mit einer Diagonalen an den 160 mal 40 mm starken Basisträger gebunden ist. Eine Diagonale von der Mastspitze zum Basisträger kostet eine Profillänge und zwei Winkel und halbiert den Messwert typischerweise.

Der dritte Punkt ist der Boden. Ein Rahmen auf Teppich über Dielen bewegt sich als Ganzes, selbst wenn jede Schraube fest ist, und der Messwert am Kranz geht dann nicht unter 3 mm, was immer Sie tun. Füße mit größerer Aufstandsfläche oder eine Platte unter dem ganzen Rig lösen ein Problem, an das keine Verstrebung im Rahmen heranreicht.

Wiederholen Sie die Messung, nicht das Gefühl

Schreiben Sie die beiden Zahlen mit Datum auf. Die Verwindung ändert sich, wenn sich Schrauben setzen, wenn Zubehör dazukommt und wenn die Basis stärker wird, und ob die Diagonale vom letzten Monat geholfen hat, weiß nur, wer die Zahl vom letzten Monat hat. Zehn Minuten, zweimal im Jahr, und die Frage ist keine Meinungssache mehr.

Quellen

  1. Trak Racer, Profil- und Winkelangaben des TR160 V5
  2. Granite Devices, Drehmomentangabe Simucube 2 Sport

Haeufige Fragen

Brauche ich eine Messuhr?

Nein. Ein Lineal löst einen halben Millimeter auf, und die Unterschiede, auf die es ankommt, sind ganze Millimeter. Eine Messuhr ist schöner, nicht nötig.

Soll ich bei eingeschalteter Basis messen?

Nein. Schalten Sie ab und ziehen Sie von Hand, dann ist die Last Ihre eigene und wiederholbar. Eine laufende Basis liefert jedes Mal eine andere Kraft.

Kostet Verwindung wirklich Rundenzeit?

Mittelbar. Sie verzögert und glättet das Force Feedback, der Moment des wegrutschenden Vorderreifens kommt also spät und abgerundet an, und man korrigiert spät.

Mein Rig bewegt sich nur beim Bremsen. Ist das normal?

Ja, und es ist der häufigste Fall. Die Bremslast ist ein Vielfaches der Lenkradlast, die Aufnahme der Pedalplatte ist deshalb meist die schwächste Stelle.